Stand: September 2026

Redewendungen: Häufige deutsche Idiome, Redensarten und Sprichwörter

Redewendungen sind feste Wortverbindungen, deren Bedeutung sich oft nicht direkt aus den einzelnen Wörtern ergibt. Wenn jemand sagt „Ich verstehe nur Bahnhof“, geht es normalerweise nicht um Züge. Die Person meint: Ich verstehe gar nichts.

Aufgeschlagenes Notizbuch mit Illustrationen deutscher Redewendungen: Bahnhofsschild mit Fragezeichen, gedrückter Daumen, Kleeblatt und zerbrochenes Sparschwein, im Hintergrund der Kölner Dom

Genau solche Ausdrücke machen eine Sprache lebendig — und sie begegnen dir ständig in Gesprächen, Serien, Nachrichten und am Arbeitsplatz.

Was ist eine Redewendung?

Eine Redewendung ist eine relativ feste Verbindung aus mehreren Wörtern. Häufig ist ihre Bedeutung bildhaft oder übertragen.

Beispiel:

Tomaten auf den Augen haben
Bedeutung: etwas Offensichtliches nicht sehen oder bemerken

Wörtlich übersetzt ergibt der Ausdruck wenig Sinn. Als Ganzes ist seine Bedeutung für deutschsprachige Menschen sofort verständlich.

Im Englischen wird dafür häufig idiom oder idiomatic expression verwendet. Die Begriffe überschneiden sich, sind aber nicht in jedem sprachwissenschaftlichen Kontext völlig deckungsgleich.

Redewendung, Redensart oder Sprichwort — ist das dasselbe?

Nicht ganz.

  • Redewendung / Redensart: feste Wortverbindung, oft Teil eines Satzes → ins Fettnäpfchen treten
  • Sprichwort: meist ein vollständiger Satz, der eine allgemeine Erfahrung oder Lebensregel ausdrückt → Übung macht den Meister.
  • Floskel: feste Formulierung, die häufig eine soziale Funktion hat und nicht unbedingt bildhaft ist → Wie geht’s?

Im Alltag werden diese Begriffe oft lockerer verwendet. Für Lernende ist die wichtigste Frage ohnehin: Was bedeutet der Ausdruck und wann passt er?

Warum Redewendungen beim Deutschlernen wichtig sind

Du kannst grammatisch korrekt sprechen und trotzdem vieles verpassen, wenn du feste Ausdrücke nur wörtlich verstehst.

Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen (GER/CEFR) behandelt idiomatische Ausdrücke ausdrücklich als Teil eines breiten Wortschatzes auf fortgeschrittenem Niveau. Bei C1 wird eine gute Beherrschung häufiger idiomatischer und umgangssprachlicher Ausdrücke beschrieben; C2 verlangt noch größere Sicherheit und Nuancierung.

Das heißt nicht, dass du bis C1 warten musst. Viele alltägliche Redewendungen kannst du viel früher lernen — am besten immer mit einem typischen Beispielsatz.

15 häufige deutsche Redewendungen mit Bedeutung

1. Ich verstehe nur Bahnhof.

Bedeutung: Ich verstehe überhaupt nichts. Beispiel: „Kannst du die Steuererklärung erklären? Ich verstehe nur Bahnhof.“

2. Tomaten auf den Augen haben

Bedeutung: etwas Offensichtliches übersehen. Beispiel: „Der Schlüssel lag direkt vor mir. Ich hatte wohl Tomaten auf den Augen.“

3. Jemandem die Daumen drücken

Bedeutung: jemandem Glück wünschen. Beispiel: „Du hast morgen deine Prüfung? Ich drücke dir die Daumen!“

4. Den Nagel auf den Kopf treffen

Bedeutung: etwas genau richtig erkennen oder formulieren. Beispiel: „Mit deiner Analyse hast du den Nagel auf den Kopf getroffen.“

5. Um den heißen Brei herumreden

Bedeutung: nicht direkt zum eigentlichen Thema kommen. Beispiel: „Sag einfach, was passiert ist, und rede nicht um den heißen Brei herum.“

6. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen

Bedeutung: mit einer Handlung zwei Ziele erreichen. Beispiel: „Ich fahre mit dem Rad zur Arbeit und mache dabei Sport — zwei Fliegen mit einer Klappe.“

7. Auf dem Holzweg sein

Bedeutung: sich irren oder von einer falschen Annahme ausgehen. Beispiel: „Wenn du glaubst, der Kurs beginnt am Montag, bist du auf dem Holzweg.“

8. Ins Fettnäpfchen treten

Bedeutung: aus Versehen etwas Peinliches oder Unpassendes sagen oder tun. Beispiel: „Ich habe nach seinem alten Job gefragt und bin direkt ins Fettnäpfchen getreten.“

9. Schwein haben

Bedeutung: Glück haben. Beispiel: „Wir haben den letzten Zug noch bekommen — da hatten wir echt Schwein.“

10. Eine Extrawurst bekommen

Bedeutung: eine Sonderbehandlung oder Ausnahme erhalten. Beispiel: „Für ihn gelten dieselben Regeln. Er bekommt keine Extrawurst.“

11. Das ist nicht mein Bier.

Bedeutung: Das ist nicht meine Angelegenheit oder Verantwortung. Beispiel: „Wie die beiden das organisieren, ist nicht mein Bier.“

12. Die Kirche im Dorf lassen

Bedeutung: nicht übertreiben; realistisch bleiben. Beispiel: „Der Fehler ist ärgerlich, aber lass mal die Kirche im Dorf.“

13. Etwas auf die lange Bank schieben

Bedeutung: etwas immer wieder verschieben. Beispiel: „Ich will die Anmeldung nicht länger auf die lange Bank schieben.“

14. Aus allen Wolken fallen

Bedeutung: völlig überrascht sein. Beispiel: „Als sie die Nachricht hörte, fiel sie aus allen Wolken.“

15. Etwas im Griff haben

Bedeutung: eine Situation kontrollieren oder gut bewältigen. Beispiel: „Am Anfang war die Grammatik schwierig, aber jetzt habe ich sie im Griff.“

Wie lernst du Redewendungen, ohne sie wieder zu vergessen?

Lerne nicht einfach lange Listen. Besser funktioniert:

1. Redewendung + Bedeutung + Beispielsatz zusammen lernen. 2. Den Ausdruck in einer echten Situation wiedererkennen. 3. Einen eigenen Satz damit bilden. 4. Prüfen, ob die Wendung neutral, umgangssprachlich, regional oder altmodisch klingt. 5. Sie erst dann aktiv benutzen, wenn du ihren Ton verstanden hast.

Gerade bei Redewendungen ist Kontext wichtiger als eine perfekte Wort-für-Wort-Übersetzung.

Redewendungen machen dein Deutsch natürlicher

Wenn du „den Nagel auf den Kopf treffen“ oder „jemandem die Daumen drücken“ passend verwendest, klingt dein Deutsch nicht automatisch „muttersprachlich“ — aber deutlich idiomatischer und natürlicher.

Noch wichtiger: Du verstehst andere Menschen besser. Denn feste Ausdrücke sind ein normaler Teil alltäglicher Sprache.

Quellen

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